Kultur Der Pakt von Canossa Im Rahmen der Reihe "Geschichte und Wissenschaft im Rathaus" spricht Professor Dr. Dr. h.c. Johannes Fried am Mittwoch, 3. November, um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses über den "Pakt von Canossa". Der Eintritt ist frei. Fried ist…
Der Pakt von Canossa
27.10.2010 Kultur Im Rahmen der Reihe “Geschichte und Wissenschaft im Rathaus“ spricht Professor Dr. Dr. h.c. Johannes Fried am Mittwoch, 3. November, um 19 Uhr im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses über den “Pakt von Canossa“. Der Eintritt ist frei. Fried ist Professor für Mittelalterliche Geschichte am Historischen Seminar der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Fried beschäftigt sich mit dem Gang nach Canossa im Jahr 1077. Bis heute ist das Bild Heinrichs IV., wie er drei Tage lang barfuß im Schnee Papst Gregor VII. um Bannlösung bittet, das Symbol für den Wendepunkt der europäischen Geschichte. Diese Auslegung der historischen Ereignisse erachtet Fried als fehlerhaft, da seiner Meinung nach Quellen falsch ausgelegt wurden. So bemängelt er, dass Historiker sich von der Sicht der dem König feindlich gesonnenen Zeitzeugen blenden ließen, einige historische Quellen übersahen oder entscheidende Sätze in bekannten Texten überlesen haben. Für Fried sind die Ereignisse von Canossa kein Wendepunkt der Geschichte, sondern ein Friedensakt, bei welchem sich Papst und König jeweils Leistungen für die Gegenseite zumuteten. Das Scheitern dieses Paktes wurde von Gegnern beider Seiten provoziert und lag weder im Interesse des Königs noch des Papstes. Es zerstörte Hoffnungen auf kooperatives Handeln und bewirkte zusammen mit den Differenzen zwischen König und Adel schließlich die Wende in der Geschichte des hochmittelalterlichen Reiches.
Johannes Fried wurde 1942 in Hamburg geboren. Er studierte von 1964 bis 1970 Geschichte, Germanistik sowie Politikwissenschaften an der Universität Heidelberg, wo er 1970 promoviert wurde und sich 1977 habilitierte. Von 1980 bis 1983 lehrte er an der Universität in Köln, anschließend nahm er die Professur am Historischen Seminar der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt an.1995/96 war Fried Visiting Fellow am Institute for Advanced Study in Princeton. Anschließend hatte er vier Jahre den Vorsitz des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschland inne. Seit seiner Gründung 1998 leitet Fried als Sprecher das interdisziplinäre DFG-Forschungskolleg “Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel“. Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde ihm 1995 der Preis des Historischen Kollegs München und 2006 der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa verliehen. 2009 erhielt er die Ehrendoktorwürde an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.