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Stefan George auf Stift Neuburg
Der Literaturwissenschaftler Professor Jürgen Egyptien spricht am Dienstag, 20. Juli, um 19.30 Uhr in der Reihe „Marbacher Spuren“ in der Stadtbücherei im Wilhelmspalais über den Aufenthalt des Schriftstellers Stefan George auf Stift Neuburg.
Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, führt in das Thema ein. Eintrittskarten für vier, ermäßigt drei Euro können unter Telefon 216-5788 oder -5726 sowie per E-Mail unter stadtbuecherei.veranstaltungen@stuttgart.de reserviert werden. In den Jahren 1909/10 war Stefan George mehrfach auf dem Stift zu Besuch, außerdem Freunde wie Karl Wolfskehl, Melchior Lechter und der Zeichner Karl Thylmann. Von der einzigartigen Atmosphäre, zu der spiritistische Experimente und Mysterienspiele beitrugen, legen Bilder, Briefe und Dichtungen ein lebendiges Zeugnis ab. Karl Thylmann hielt alle Beteiligten auf zeitgenössischen Zeichnungen fest, von denen einige, wie etwa diejenigen von Stefan George und Karl Wolfskehl, in den „Marbacher Spuren“ erstmals publiziert werden.

In Anknüpfung an den Schwabinger Okkultismus und inspiriert von der besonderen „mystischen Luft“ des Stifts führten die Anwesenden allerlei spiritistische Experimente durch und fahndeten nach einem ominösen Schatz. Ein letzter Höhepunkt des geselligen Zusammenseins war das sogenannte Kometenfest anlässlich der Annäherung des Halleyschen Kometen an die Erde im Mai 1910. Der Stiftsherr Alexander von Bernus verfasste eigens das Mysterienspiel „Melaina“, das von den Gästen zur Aufführung gebracht wurde und mit der Prophetie einer Welterneuerung endet.

Zugleich aber legte sich über die Teilnehmer die Ahnung, den letzten Abendschein einer untergehenden Epoche zu genießen. Und die immer wieder aufbrechenden Konflikte zwischen dem Führungsanspruch Georges und seiner Paladine einerseits und dem auf sein Selbstbestimmungsrecht pochenden Alexander von Bernus indizierten die jederzeit gefährdete Harmonie des scheinbar zeitenthobenen Lebens im Zeichen der Kunst, der Muße und der Mystik.

Jürgen Egyptien wurde 1955 in Aachen geboren. Dort studierte er Germanistik und Politische Wissenschaften. 1986 promovierte er an der TU Berlin in Mediävistik, 1987 bis 89 war er als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Wien, seither am Germanistischen Institut der RWTH Aachen. 1997 schloss er seine Habilitation ab, seit 2004 ist er Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte.

Das Spurenheft # 85 wird im „Marbacher Schaufenster“ im Treppenhaus der Stadtbücherei im Wilhelmspalais, 2. Obergeschoss, ausgestellt und kann an dem Abend auch erworben werden.



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